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Nachtrag: Hier (sozusagen nach dem Motto "interessantes aus Ecuador") ein Ausschnitt aus einer e-mail von Kirsi vom März 99, die ich hier mit ihrer Erlaubnis alle lesen lasse:

Meine Freunde Walter und Kirsi in Quito

 

Rechts: Meine Freunde Walter und Kirsi in Quito

  .... So, und jetzt zu den Ereignissen der letzten Wochen hier in Ecuador: Ca. vor einem Monat kam es hier zu einer dramatischen Benzin-Knappheit, da die staatliche Öl-Gesellschaft eine Chemikalie, die zur Herstellung des Benzins notwendig ist, zu spät bestellt hat. So waren wir ca. eine Woche ohne normales Benzin und über drei Wochen ohne bleifreies Benzin. Hinzu kam, daß die Situation vieler lokaler Banken immer prekärer wurde, da aufgrund der unsicheren politischen Situation (der Kongreß, in dem die Regierung nur 32% der Stimmen besitzt, hat die Reformvorschläge der Regierung immer blockiert, wodurch keine neuen Gesetze verabschiedet und keine Reforme durchgeführt werden konnten und alle Probleme des Landes ungelöst blieben) die lokalen Banken immer weniger Kredite der internationalen Großbanken erhielten. So, eines schönen Sonntagabends hat der Präsident beschlossen, einen "Bankfeiertag" zu erklären, was bedeutete, daß alle Banken am nächsten Tag geschlossen blieben.
Nach hitzigen Beratungen wurden diese Ferien nochmals um zwei Tage verlängert und blieben schließlich eine ganze Woche zu, da Ende der Woche ein zweitägiger Generalstreik angesagt wurde und die Regierung diese Tage zu allgemeinen Feiertagen erklärte um einerseits zu verhindern, daß die Leute von der Arbeit schwänzen um zu demonstrieren (die Leute hier sind meistens so faul, daß die an freien Tagen nicht streiken) und andererseits, daß Unbeteiligte durch Tränengas, Demonstranten etc. gefährdet werden. Der Hintergrund dieser "Ferien" war, daß mal wieder zwei Banken in Schwierigkeiten geraten waren, darunter auch die zweitgrößte Bank des Landes. Ende der Woche hat der Präsident denn einen Ausnahmezustand erklärt und entsprechende wirtschaftliche Maßnahmen per Dekret erlassen. Um der in Schwierigkeiten geratenen Banken zu helfen, hat er angeordnet, daß die Einlagen auf Kontokorrent- und Sparkonten zu Hälfte für sechs Monate bzw. ein Jahr "eingefroren" werden, d.h. nicht abgezogen werden können. Hiervon blieben unberührt nur diejenigen Personen, deren Guthaben nicht über 2 Mio. sucres auf dem laufenden Konto und fünf Mio. auf den Sparkonten überstiegen (also wirklich nur die ganz kleinen Leute). Festgelder und Dollar-Einlagen über US$ 500 wurden ebenfalls fúr ein Jahr eingefroren. Außerdem, um dem Staat mehr Einnahmen zu sichern, hat er ein neues Steuerpaket zum Kongreß geschickt, das die Erhöhung der MwST, eine Steuer für Luxusautos sowie auch andere unbeliebte Maßnahmen vorsah. Um dieses Mal sicherzustellen, daß das Paket nicht einfach abgeleht wurde, wie die vorherigen Male, hat der Präsident die Benzinpreise um ca. 165% erhöht, bis der Kongreß das neue Steuerpaket verabschiedet wird. Da kannst Du Dir vorstellen, was los war!!! Am nächsten Montag, wo die Streiks eigentlich vorbei sein sollten, haben die Taxifahrer die Straßen blockiert, um gegen die Benzinpreiserhöhung zu protestieren. In den nächsten zwei Tagen haben sich die Busfahrer der Aktion angeschlossen, und zumindest Quito und die Interprovinziellen Straßen blieben vollkommen blockiert. Für uns war das nicht so schlimm, da wir ja einen Arbeitsweg von nur ca. 2 km haben, aber z.B. mein Chef, der im Tal wohnt, mußte an einem Tag von zuhause aus arbeiten und am nächsten Tag ist er die läppischen 12 km zu Fuß marschiert... Tja, und die Einlageneinfrierung hat zumindestens der zweitgrößten Bank des Landes nicht lange geholfen, die haben nämlich vor einer Woche die Türen geschlossen, und jetzt wird analysiert, was gemacht werden kann. Es kommen immer wieder neue Skandale ans Tageslicht.
Der Präsident läßt sich überhaupt nicht mehr blicken (es wird getratscht, daß er krank ist) und verschiedene Interessengruppen an der Küste fordern ein unabhängiges Guayaquil. Zumindest wird der Kongreß das Steuerpaket höchstwahrscheinlich verabschieden, aber das glaube ich erst, wenn ich es sehe. Jedenfalls steht schon fest, daß die Einkommenssteuer wieder eingeführt wird, die Steuer auf Kapitalverkehr, die Ende letzten Jahres eingeführt wurde, wird jedoch nicht aufgehoben, sondern bleibt ebenfalls weiterbestehen. Der Sucre hat dem Dollar gegenüber kräftig an Wert verloren (1 Dollar = ca. 11.000 Sucres) und die Inflation ist horrend.

Ja, so sieht es hier aus. Zur Zeit kann man wenig machen, nur abwarten eigentlich. Ich habe leider nicht mehr viel Zeit, da ich ja auch noch arbeiten muß. So als Anekdote beiseite, wir haben heute unsere Gehälter bekommen, in BAR, damit wir nicht alles in die Bank einzahlen müssen, für den Fall, daß weitere Banken "fallen". Da alle Leute jetzt so viel Geld wie möglich zuhause haben und nicht in der Bank, gibt es einen akuten Bargeldmangel auf dem Markt und so wurden wir in 10.0000Sucres-Scheinen bezahlt. Stell' Dir mal den Geldstapel vor...


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